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Bisphenol in Babyflaschen

Bisphenol A ist ein Grundbaustein des Kunststoffs Polycarbonat. Im April ging die Meldung durch die Presse, dass die kanadischen Behörden beabsichtigen, den Verkauf der auch bei uns üblichen, unzerbrechlichen Babyflaschen (Schoppenflaschen) aus Polycarbonat zu verbieten, weil sie Bisphenol A abgeben. Sie stützen sich dabei auf eine amerikanische Beurteilung, die auf weit über 1000 wissenschaftlichen Arbeiten beruht. Neue Resultate deuten darauf hin, dass bereits sehr kleine Mengen bei jungen Mäusen und Ratten negative Folgen für die Hirnentwicklung und das spätere Verhalten haben. Die Arbeiten sind umstritten, werden aber auch wegen ihrer grossen Anzahl doch ziemlich ernst genommen. Die kanadischen Behörden wollen jedes Risiko vermeiden. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat sich mehrmals mit dem Thema befasst (zuletzt im Juli 2008) und kommt zum Schluss, dass kein Risiko bestehe, weil der Mensch auf Bisphenol A (BPA) weniger empfindlich reagiere.

Die Beurteilungen der EFSA gingen von einer maximalen Konzentration von 50 µg/l BPA im Getränk aus. Arbeiten im Kantonalen Labor Zürich zeigen, dass diese Konzentration bei sorgfältiger Verwendung solcher Flaschen rund 100 Mal tiefer gehalten werden kann: Bei einer Konzentration unter 0.5 µg/l sind die Bedenken der kanadischen Behörden gegenstandslos.

Bisphenol A stammt aus der Zersetzung von Polycarbonat, welche durch hohe Temperatur und alkalisches Wasser gefördert wird. Trinkwasser wird beim Auskochen alkalisch: Im Wasser gelöstes Kohlendioxid entweicht, was auch zur Ausfällung von Kalk führt. Nach 5-10 Minuten erreicht der pH einen Wert von etwa 9. Siedend heisses Wasser mit pH 9 kann in wenigen Minuten 50 µg/l Bisphenol A freisetzen. Unter 50 °C wird praktisch kein Bisphenol A freigesetzt.

Der Bisphenol A - Gehalt im Schoppen oder einem anderen Getränk aus einer Polycarbonat-Babyflasche bleibt unter 0.5 µg/l, wenn folgende Regeln beachtet werden:

  1. Wasser, das für das Auskochen der Babyflaschen gebraucht wurde, wegschütten und nicht für die Herstellung eines Getränks verwenden.
  2. Aufgekochtes Wasser erst nach etwas Abkühlen in die Flasche giessen.

Im Übrigen wird empfohlen, die Zubereitungshinweise auf den Verpackungen der Schoppenpulver respektive Getränke zu beachten.